Was du sagen kannst
Ich mache mir in letzter Zeit wirklich Sorgen um dich. Mir ist aufgefallen, dass du sehr viel schläfst und dir die Dinge, die du früher gern gemacht hast, keine Freude mehr zu machen scheinen, und du bist mir zu wichtig, um so zu tun, als würde ich das nicht sehen. Ich will dich nicht reparieren und dir auch nicht sagen, was mit dir nicht stimmt.
Ich weiß aber auch, dass ich nicht deine einzige Stütze sein kann, und ich glaube, ärztliche oder therapeutische Hilfe könnte dir wirklich guttun. Ich helfe dir gern, jemanden zu finden, oder komme zum ersten Termin mit. Wärst du bereit, diese Woche einen kleinen Schritt mit mir zu gehen?
Wie es weitergeht
Depression ist eine Erkrankung, keine Entscheidung und keine Charakterschwäche, und sie lässt es oft unmöglich erscheinen, um Hilfe zu bitten. Antriebslosigkeit, Scham und Hoffnungslosigkeit können wie sture Ablehnung aussehen. Halte das Gespräch sanft und bleib bei dem, was dir aufgefallen ist, statt eine Diagnose zu stellen.
Mach Hilfe so leicht wie möglich: Biete an, nach Möglichkeiten zu suchen, den Termin zu vereinbaren oder mit einem allgemeinen Check-up in der Hausarztpraxis zu beginnen, was weniger abschreckend wirken kann als eine Therapie. Kleine, konkrete Schritte sind leichter zuzusagen als große.
Mit dem Vereinbarungs-Editor könnt ihr vereinbaren, wie Unterstützung für euch beide aussieht, etwa regelmäßige Check-ins, geteilte Hausarbeit in schweren Wochen und geschützte Zeit für deine eigene Erholung. Dir selbst Unterstützung bei Freund*innen, in einer Beratung oder in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige zu holen, heißt nicht, dass du deine*n Partner*in aufgibst.
Wenn Monate vergehen und sich trotz klarer, liebevoller Bitten nichts ändert, darfst du dich fragen, ob deine eigenen Bedürfnisse hier erfüllt werden können. Einen Schritt zurückzutreten, um deine Gesundheit zu schützen, ist eine legitime Entscheidung, und die Erkrankung ist so oder so nicht deine Schuld.
Sicherheit zuerst
Wenn dein*e Partner*in über Suizid, Selbstverletzung oder darüber spricht, nicht mehr leben zu wollen, nimm das jedes Mal ernst. Bleib nach Möglichkeit in der Nähe und wähle den Notruf 112, wenn jemand in akuter Gefahr ist. Die Hilfsangebote auf unserer Seite „Hilfetelefone“ können dir auch zeigen, was du sagen und tun kannst.
Wenn Drohungen mit Selbstverletzung eingesetzt werden, um dich zu kontrollieren, etwa mit der Ankündigung, sich etwas anzutun, wenn du gehst oder Freund*innen triffst, ist das Zwang, auch wenn dein*e Partner*in wirklich leidet. Du kannst fürsorglich reagieren, indem du Krisenhilfe verständigst, und trotzdem deine eigenen Entscheidungen treffen.
Wenn die Not in Einschüchterung, Drohungen oder Gewalt gegen dich umschlägt, geht deine Sicherheit vor. Eine Beratung oder Therapie kann dir helfen, die nächsten Schritte zu planen, und die Hilfsangebote auf unserer Seite „Hilfetelefone“ sind auch für dich da.
Tipps
Sprich über das, was du beobachtest, nicht über Etiketten. „Du wolltest seit Wochen niemanden sehen“ ist leichter zu hören als „Du bist depressiv“.
Biete praktische Hilfe an, die die Hürde senkt: eine Praxis finden, Formulare ausfüllen, zum Termin fahren oder bei einer Videosprechstunde dabeisitzen.
Pflege deine eigenen Freundschaften, deinen Schlaf und deine Routinen. Du bist eine verlässlichere Stütze, wenn du nicht auf Reserve läufst.
Wenn du eine Grenze setzen musst, formuliere sie über das, was du weiterhin leisten kannst und was nicht, zum Beispiel: „Ich liebe dich, und ich kann nicht deine einzige Stütze sein. Ich brauche von dir, dass du versuchst, dir Hilfe zu holen.“
Damit es nicht wieder passiert
Ein gutes Gespräch hilft heute. Ein gemeinsames Werkzeug hilft euch, nächsten Monat nicht wieder am selben Punkt zu stehen.
Eine Vereinbarung macht aus eurem Gespräch etwas, auf das ihr beide zurückkommen könnt: Grenzen, Check-ins und was passiert, wenn sich etwas falsch anfühlt.
Gemeinsam eine Vereinbarung schreibenSchlagwörter
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