Was du sagen kannst
Mir ist aufgefallen, dass du oft einhakst, bevor ich meinen Gedanken zu Ende gebracht habe. Ich weiß, dass du oft einfach begeistert bist und deine Ideen teilen willst, aber ich habe dann das Gefühl, dass das, was ich sage, nicht wichtig ist, und manchmal versuche ich gar nicht mehr, den Satz zu beenden.
Können wir etwas ausprobieren? Wenn eine*r von uns spricht, wartet die andere Person, bis wirklich alles gesagt ist, bevor sie antwortet. Ich arbeite auch daran. Ich glaube, dann fühlen wir uns beide mehr gehört. Wärst du bereit, das auszuprobieren?
Wie es weitergeht
Unterbrechen ist eine sehr verbreitete Kommunikationsgewohnheit. Manche Menschen sind in Familien aufgewachsen, in denen alle durcheinandergeredet haben, manche sind begeistert und preschen vor, und manche unterbrechen öfter, wenn sie angespannt sind oder sich missverstanden fühlen. Den Grund zu kennen kann es weniger persönlich wirken lassen, auch wenn sich trotzdem etwas ändern muss.
In der Bedienungsanleitung könnt ihr jeweils beschreiben, wie euch am liebsten zugehört wird und was euch hilft, euch gehört zu fühlen. Die eine Person muss einen Gedanken ganz zu Ende bringen können, die andere mag schnelles Hin und Her. Wenn ihr das aufschreibt, findet ihr leichter einen Mittelweg.
Gebt der Veränderung Zeit. Solche Gewohnheiten verschwinden nicht nach einem einzigen Gespräch. Vereinbart deshalb eine sanfte Art, im Moment darauf hinzuweisen, und nimm wahr, wenn dein Gegenüber sich Mühe gibt.
Wenn dein*e Partner*in die Bitte abtut oder dich weiter unterbricht, obwohl du klar und wiederholt darum gebeten hast, darfst du das als Frage des Respekts sehen und dich fragen, ob deine Bedürfnisse hier erfüllt werden können.
Sicherheit zuerst
Unterbrechen allein ist meist eine schlechte Angewohnheit. Bedenklicher wird es, wenn Herabsetzungen dazukommen, etwa „Das ist doch dumm“ oder „Wie kommst du überhaupt auf so was?“, wenn du vor anderen verspottet oder niedergeschrien wirst oder bei Entscheidungen nie mitreden darfst. Bei diesem Muster geht es um Macht, nicht nur um Kommunikationsstil.
Wenn du angefangen hast zu schweigen, weil Reden zu Spott, Wut oder Strafe führt, nimm das ernst. Du verdienst es, dich ohne Angst ausdrücken zu können, und es ist nicht deine Schuld.
Du kannst dich an die Hilfetelefone aus unserer Übersicht „Hilfetelefone“ wenden oder dir Unterstützung bei einer Beratungsstelle oder in einer Therapie holen. Wenn jemand in akuter Gefahr ist, ruf den Notruf 112.
Tipps
Probiert die Redegegenstand-Methode aus: Nehmt einen Stift, eine Fernbedienung oder irgendetwas, das gerade herumliegt, und nur wer ihn in der Hand hält, spricht. Das kann sich albern anfühlen, verlangsamt Gespräche aber auf hilfreiche Weise.
Vereinbart für den Moment ein freundliches Zeichen, etwa einen erhobenen Finger oder ein leichtes „Moment, ich bin noch nicht fertig.“ Ein spielerisches Signal lässt sich leichter annehmen als eine genervte Zurechtweisung.
Wenn dein Gegenüber gesprochen hat, fasse zusammen, was du gehört hast, bevor du antwortest, und bitte darum, dass ihr das beide so macht. So entsteht die Gewohnheit, zuzuhören, um zu verstehen, statt um zu antworten.
Nehmt euch bei wichtigen Themen Zeit, in der jede*r ein paar Minuten ohne Unterbrechung erzählen kann, bevor ihr gemeinsam darüber sprecht.
Damit es nicht wieder passiert
Ein gutes Gespräch hilft heute. Ein gemeinsames Werkzeug hilft euch, nächsten Monat nicht wieder am selben Punkt zu stehen.
Eine Bedienungsanleitung zeigt deinen Partner*innen, wie du mit Konflikten, Trost und Nähe umgehst, bevor das nächste Missverständnis entsteht.
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