Was du sagen kannst
Danke, dass du mir das erzählst. Ich glaube dir. Was passiert ist, ist nicht okay, und es ist nicht deine Schuld. Du hast dein Safeword benutzt, und damit hätte sofort Schluss sein müssen.
Du musst jetzt nichts entscheiden. Ich bin da, egal ob du reden willst, Ablenkung brauchst oder Hilfe dabei, die nächsten Schritte zu überlegen. Gibt es etwas, das du heute Abend von mir brauchst?
Wie es weitergeht
Hör mehr zu, als du redest. Lass deine*n Freund*in in eigenen Worten und im eigenen Tempo erzählen, und vermeide Fragen, die nach Zweifel klingen, etwa „Bist du sicher, dass das Safeword gehört wurde?“. Dass du ruhig glaubst, was du hörst, zählt oft mehr als jeder Rat.
Wenn die Zeit reif ist, kannst du behutsam Möglichkeiten ansprechen, ohne zu drängen. Fachberatungsstellen zu sexualisierter Gewalt beraten Betroffene und oft auch Menschen, die sie unterstützen. Bei Verletzungen hilft eine ärztliche Versorgung, und in vielen Regionen lassen sich Verletzungen dokumentieren, ohne dass eine Anzeige nötig ist. Ist es auf einem Event passiert, können die Veranstalter*innen oder das Awareness-Team informiert werden. Ob es zur Polizei geht, entscheidet allein die betroffene Person, jetzt oder später. Biete an, gemeinsam aufzuschreiben, was passiert ist, solange die Erinnerung noch frisch ist.
Im Sicherheitshandbuch steht, wie Safewords funktionieren sollen, und der Leitfaden „Wenn ein Safeword missachtet wird“ im Bereich Sicherheit bringt es klar auf den Punkt. Das kann helfen zu sehen, dass „Ich hab dich nicht gehört“ oder „Ich dachte, das gehört zum Spiel“ keine Ausrede ist. Stell das Gegenüber bitte nicht auf eigene Faust zur Rede, außer dein*e Freund*in möchte das ausdrücklich. Das kann die Gefahr vergrößern.
Sicherheit zuerst
Besonders hellhörig solltest du werden, wenn sich das Gegenüber entschuldigt und es dann wieder tut, die Schuld bei deinem*deiner Freund*in sucht, auch andere Grenzen austestet oder den Kontakt zu Freund*innen erschwert, oder wenn dein*e Freund*in Angst zu haben scheint. Wiederholt übergangene Grenzen sind ein Zeichen von Gewalt, kein Missverständnis. Wenn dein*e Freund*in gehen möchte, biete praktische Hilfe an, etwa einen Schlafplatz oder Begleitung beim Abholen der eigenen Sachen.
Die Hilfetelefone aus unserer Übersicht „Hilfetelefone“ unterstützen Betroffene und die Menschen um sie herum. Wenn jemand in akuter Gefahr ist, ruf den Notruf 112.
Tipps
Melde dich ein paar Tage später noch einmal und eine Woche danach wieder. Unterstützung lässt oft genau dann nach, wenn der erste Schock vorbei ist. Behalte für dich, was dir anvertraut wurde, außer du wirst gebeten, es weiterzusagen.
Respektiere das Tempo deines*deiner Freund*in, auch wenn die Beziehung vorerst weitergeht. Menschen gehen, wenn sie bereit sind, und sie kommen viel eher zu jemandem zurück, der sie nicht verurteilt hat. Achte auch auf dich selbst, denn so etwas zu hören, kann dich noch lange beschäftigen.
Damit es nicht wieder passiert
Ein gutes Gespräch hilft heute. Ein gemeinsames Werkzeug hilft euch, nächsten Monat nicht wieder am selben Punkt zu stehen.
Safewords, Check-ins und Aftercare geben euch eine gemeinsame Sprache für den Moment, in dem sich etwas nicht mehr gut anfühlt.
Zum SicherheitshandbuchSchlagwörter
- #Safeword
- #Grenzverletzung
- #Freundschaft
- #Gewalt
- #Betroffenen glauben