Das Wichtigste
- Schreib so bald wie möglich auf, was passiert ist, mit Datum
- Bewahre Nachrichten und andere Belege auf; lösch keine Chats
- Eine ärztliche Untersuchung kann Verletzungen dokumentieren, auch wenn du nie Anzeige erstattest
- Eine Anzeige ist eine Möglichkeit, keine Pflicht
Im Detail
- Notizen: Datum, Uhrzeit und Ort, was vereinbart war, was passiert ist, was du gesagt oder signalisiert hast (auch Safewords), was die andere Person gesagt hat, wer in der Nähe war und wie es dir danach ging. Lücken sind normal
- Datiere die Notizen und bewahre sie dort auf, wo die andere Person keinen Zugriff hat, etwa in einer E-Mail an dich selbst
- Nachrichten: Sichere Chats von vorher und nachher, auch Absprachen, Entschuldigungen und Ausreden, mit sichtbaren Namen und Daten. Exportiere ganze Unterhaltungen, wo das geht
- Bewahre schriftliche Absprachen und Vereinbarungen auf, auch solche aus dem Vereinbarungs-Editor
- Medizinische Versorgung: Eine Praxis oder Notaufnahme kann Verletzungen behandeln, auf STI testen, PEP oder die Pille danach anbieten und Verletzungen dokumentieren. Fotos mit Datum helfen zusätzlich
- Spuren lassen sich am besten innerhalb weniger Tage sichern. Viele Kliniken bieten eine vertrauliche Spurensicherung ohne Anzeige an, sodass du später entscheiden kannst
- Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt beraten vertraulich und verlangen keine Anzeige
- Veranstalter*innen und Awareness-Teams können auf eine Meldung reagieren, etwa mit einem Hausverbot, auch ohne Polizei
Warnhinweise
- Viele Sexualdelikte sind Offizialdelikte: Erfährt die Polizei davon, muss sie ermitteln, auch wenn du es dir anders überlegst. Lass dich vorher beraten, wenn dir das wichtig ist
- Was du erlebt hast, zählt auch ohne Beweise
- Stell die andere Person nicht allein zur Rede, wenn du dich unsicher fühlst
- Kink macht einen Übergriff nicht weniger schwer; Zustimmung zu einer Sache ist keine Zustimmung zu allem
Weiterführendes und nächste Schritte
- Die Hilfsangebote auf unserer Seite „Hilfetelefone“
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 116 016, Hilfetelefon Gewalt an Männern 0800 123 99 00, Frauenhelpline (AT) 0800 222 555
- Die Opferhilfe-Beratungsstellen in der Schweiz und der Weisse Ring in Deutschland und Österreich
- Kliniken mit vertraulicher Spurensicherung
- Die Polizei, wenn und wann du dich dafür entscheidest (110 in Deutschland, 133 in Österreich, 117 in der Schweiz)