Was du sagen kannst
Ich möchte über etwas sprechen, das mich verletzt. In letzter Zeit wird vieles, was ich mache, kritisiert, und ich habe inzwischen das Gefühl, als Partner*in zu versagen. Ich glaube nicht, dass du das willst, aber es fällt mir dadurch schwer, mich bei dir zu entspannen.
Können wir versuchen, anders miteinander über Kritik zu sprechen? Ich fände es schön, wenn wir auch sehen, was gut läuft, und Anliegen behutsam und eins nach dem anderen ansprechen. Was meinst du, was uns beiden helfen würde, uns mehr wertgeschätzt zu fühlen?
Wie es weitergeht
Achte darauf, wie dein Gegenüber reagiert. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie oft sie kritisieren, und wer dich liebt, wird das wissen und etwas ändern wollen. Wenn dein*e Partner*in zuhört, sich entschuldigt und sich bemüht, ist das ein gutes Zeichen, auch wenn alte Gewohnheiten Zeit brauchen.
Wenn du stattdessen hörst, du seist zu empfindlich, du hättest die Kritik verdient, oder wenn die Kritik härter wird, nachdem du sie angesprochen hast, sagt dir das etwas Wichtiges darüber, ob deine Bedürfnisse hier erfüllt werden können.
In der Bedienungsanleitung könnt ihr festhalten, wie ihr jeweils Rückmeldung bekommen möchtet, wodurch ihr euch wertgeschätzt fühlt und was verletzend ankommt. Wenn das schriftlich vorliegt, könnt ihr leichter darauf zurückkommen, wenn etwas aus dem Ruder läuft.
Versucht zu vereinbaren, auf jede Beschwerde mehrere positive Dinge zu bemerken. Paarforschung deutet darauf hin, dass Beziehungen meist besser laufen, wenn die Wertschätzung die Kritik deutlich überwiegt.
Sicherheit zuerst
Es gibt einen Unterschied zwischen gelegentlichen Beschwerden über ein bestimmtes Verhalten und Kritik, die dich als Person angreift. Als dumm, wertlos oder ekelhaft bezeichnet zu werden, abwertend mit anderen verglichen zu werden, vor anderen verspottet zu werden oder zu hören, dass dich sonst niemand wollen würde, sind Formen emotionaler Gewalt.
Ein Warnsignal ist es auch, wenn Kritik genutzt wird, um zu kontrollieren, was du trägst, wen du triffst, wie du Geld ausgibst oder ob du arbeitest. Wenn du merkst, dass du ständig versuchst, Kritik zu vermeiden, oder das Vertrauen in dein eigenes Urteil verlierst, nimm das ernst. Es ist nicht deine Schuld.
Du kannst dich an die Hilfetelefone aus unserer Übersicht „Hilfetelefone“ wenden oder dir Unterstützung bei einer Beratungsstelle oder in einer Therapie holen. Wenn jemand in akuter Gefahr ist, ruf den Notruf 112.
Tipps
Notier dir für dich, welche Bemerkungen wehgetan haben und wie du dich dabei gefühlt hast. Muster lassen sich auf Papier oft leichter erkennen, und es hilft dir, die Dinge später klar zu erklären.
Setz im Moment lieber eine ruhige Grenze, statt dich Punkt für Punkt zu verteidigen: „Ich höre, dass du frustriert bist, und ich brauche von dir, dass du respektvoll mit mir sprichst.“
Bitte um konkrete Wünsche statt allgemeiner Kritik. „Könntest du die Spülmaschine so einräumen?“ ist viel leichter zu hören als „Du machst nie etwas richtig.“
Bleib in Kontakt mit Menschen, die deine Stärken sehen. Freund*innen, Familie oder eine Beratungsstelle können dir helfen, den Blick für das Ganze zu behalten, wenn du zu Hause viel kritisiert wirst.
Damit es nicht wieder passiert
Ein gutes Gespräch hilft heute. Ein gemeinsames Werkzeug hilft euch, nächsten Monat nicht wieder am selben Punkt zu stehen.
Eine Bedienungsanleitung zeigt deinen Partner*innen, wie du mit Konflikten, Trost und Nähe umgehst, bevor das nächste Missverständnis entsteht.
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