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Praktiken

Sicherheit beim Bondage

Sicherheit

Die Grundlagen der Bondage-Sicherheit: Durchblutung und Nerven kontrollieren, sichere Positionen wählen, eine Sicherheitsschere bereithalten, schnell lösen können und eine gefesselte Person nie allein lassen.

Was ist das?

Bondage-Sicherheit bedeutet Wissen und Gewohnheiten, mit denen Partner*innen Fesselungen genießen und dabei den Körper schützen können. Sie stützt sich auf grundlegende Anatomiekenntnisse, aufmerksames Beobachten und gute Kommunikation. Viele erleben Bondage mit soliden Sicherheitskenntnissen als entspannter, weil beide darauf vertrauen, dass es einen Plan gibt, falls etwas schiefgeht.

Bondage-Sicherheit umfasst alle Praktiken, die das Verletzungsrisiko beim Spiel mit Seilen, Manschetten und anderen Fixierungen senken. Zu den wichtigsten Fähigkeiten gehört, Durchblutung und Nerven im Blick zu behalten, sichere Positionen zu wählen, eine Sicherheitsschere griffbereit zu haben und jemanden schnell befreien zu können. Diese Grundlagen gelten für jede Form von Bondage, von einfachen Handgelenkfesselungen bis zu aufwendigen Seilarbeiten.

Was dazugehört

  • Durchblutung und Empfinden regelmäßig prüfen: nach Taubheit oder Kribbeln fragen und auf Farbe und Wärme von Händen und Füßen achten.
  • Druck auf bekannte Nervenbereiche vermeiden, etwa auf die Außenseite des Oberarms, die Innenseite des Ellbogens und die Innenseite des Handgelenks.
  • Positionen wählen, in denen das Atmen leichtfällt und Gelenke und Nacken nicht überlastet werden.
  • Eine Sicherheitsschere mit stumpfer Spitze griffbereit halten und wissen, wie sich jede Fesselung schnell lösen lässt.
  • Einen Notfallplan haben für Ohnmacht, Panik, Verletzungen oder den Fall, dass jemand sehr schnell aus der Fesselung befreit werden muss.

So fängst du an

  1. Lerne die Grundlagen der Anatomie von Armen und Beinen kennen, auch wo Nerven dicht unter der Haut verlaufen.

  2. Beginne mit einfachen, lockeren Fesselungen an Handgelenken oder Knöcheln und lass genug Platz, um zwei Finger darunterzuschieben.

  3. Übe Fesselungen an deinem eigenen Bein, an einem Kissen oder mit einer bereitwilligen Person außerhalb einer Session, bevor du sie im Spiel einsetzt.

  4. Prüfe alle paar Minuten Durchblutung und Empfinden und bitte dein Gegenüber, Taubheit sofort zu melden.

  5. Bewahre die Sicherheitsschere an einem festen Platz auf, den du erreichst, ohne dein Gegenüber zu verlassen.

Weiterentwickeln

  • Besuche Kurse bei erfahrenen Seil-Lehrenden, am besten vor Ort, um sicherere Techniken zu lernen und Feedback zu bekommen.
  • Beschäftige dich gründlicher mit Nervenverläufen und Druckpunkten, bevor du komplexere oder längere Fesselungen ausprobierst.
  • Übe das Lösen im Notfall regelmäßig, damit du dein Gegenüber auch unter Stress schnell befreien kannst.
  • Wage dich an längere Fesselungen, Stresspositionen und Suspension erst, wenn du deine Fähigkeiten Schritt für Schritt unter qualifizierter Anleitung aufgebaut hast.
  • Mach einen Erste-Hilfe-Kurs und lerne, wie du bei einer Ohnmacht reagierst und eine mögliche Nervenverletzung einschätzt.

Sicherheit

  • Lass eine gefesselte Person niemals allein, auch nicht für einen Moment.
  • Binde niemals etwas um den Hals und vermeide Positionen, die auf den Brustkorb drücken oder die Atmung einschränken.
  • Achte auf kalte, blasse, bläuliche oder fleckige Haut und lockere oder löse die Fesselung sofort, wenn du so etwas bemerkst.
  • Fessle nicht direkt über Gelenken und lass die gefesselte Person ihr Gewicht nicht lange auf nur einer Gliedmaße tragen.
  • Rechne bei Fesselungen im Stehen mit einer Ohnmacht und verhindere einen Sturz, indem du die Person stützt oder eine tiefere Position wählst.

Einvernehmen

  • Sprecht vor dem Fesseln über die Krankengeschichte, auch über Gelenkprobleme, frühere Verletzungen, Durchblutungsstörungen, Ohnmachten und Panik.
  • Vereinbart, wie lange die Fesselung dauern soll und wie die gefesselte Person ein Problem mit einem bestimmten Körperteil signalisiert.
  • Stell sicher, dass es ein nonverbales Signal gibt, wenn dein Gegenüber geknebelt ist oder die Hände nicht bewegen kann.
  • Nimm jede Meldung von Unbehagen sofort ernst, auch wenn die Fesselung für dich in Ordnung aussieht.
  • Vereinbart, dass die gefesselte Person die Session jederzeit beenden kann und dann ohne Diskussion befreit wird.

Warnhinweise

  • Nervenkompression kann Taubheit, Kribbeln oder Schwäche verursachen, die manchmal Wochen oder Monate anhält.
  • Lass dich ärztlich untersuchen, wenn Taubheit oder Schwäche, etwa Schwierigkeiten, das Handgelenk zu strecken, nach dem Lösen nicht bald verschwindet.
  • Positionen mit Druck auf Brust oder Bauch, besonders in Bauchlage, können das Atmen erschweren und müssen genau beobachtet werden.
  • Fesselungen in Kombination mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungsmitteln erhöhen das Risiko schwerer Verletzungen und sollten besser vermieden werden.
  • Ruf den Notruf 112, wenn dein Gegenüber das Bewusstsein verliert und nicht schnell wieder zu sich kommt, Atemprobleme hat oder schwer verletzt ist.

Gut zu wissen

  • Seile, Ledermanschetten und gepolsterte Fixierungen stellen jeweils eigene Sicherheitsanforderungen. Informiere dich deshalb genau über das, was du verwendest.
  • Breite, gepolsterte Manschetten verteilen den Druck in der Regel besser als dünne Schnüre oder Handschellen aus Metall.
  • Reinige und überprüfe Seile und Fesseln regelmäßig und ersetze alles, was ausgefranst, rissig oder beschädigt ist.
  • Suspension ist eine spezialisierte Praxis, die du nur bei qualifizierten Lehrenden lernen solltest.
  • Bondage-Sicherheit ist eine Fähigkeit, die sich ständig weiterentwickelt. Auch erfahrene Rigger*innen besuchen weiter Kurse und frischen ihr Wissen auf.

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