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Praktiken

Risikoeinschätzung

Sicherheit

Risikoeinschätzung ist die Gewohnheit, vor und während des BDSM-Spiels Gefahren zu erkennen, ihre Wahrscheinlichkeit und Schwere abzuwägen und zu planen, wie sie sich verringern lassen.

Was ist das?

Risikoeinschätzung bedeutet, körperliche, emotionale und situative Gefahren systematisch zu betrachten und zu planen, wie sie sich minimieren lassen. Sie umfasst die Aktivität selbst, das Können der Beteiligten, ihre Gesundheit am jeweiligen Tag und die Umgebung. Sie ist das praktische Werkzeug, mit dem risikobewusstes Einvernehmen umgesetzt wird.

Die Risikoeinschätzung ist die praktische, schrittweise Seite sicheren Spiels. Partner*innen überlegen, was bei einer Aktivität schiefgehen könnte, schätzen ab, wie wahrscheinlich und wie ernst jedes Problem wäre, und entscheiden, was sie dagegen tun. Gut gemacht wird sie zu einem kurzen, routinierten Gespräch, das Sessions entspannter macht und nicht klinischer.

Was dazugehört

  • Körperliche Risiken der geplanten Aktivität erkennen, etwa Nervenkompression, Blutergüsse, Stürze, Schnitte oder Durchblutungsprobleme.
  • Psychische Risiken bedenken, darunter Trigger, frühere Traumata, einen Drop nach der Session und die Frage, wie jede Person mit intensiven Gefühlen umgeht.
  • Das tatsächliche Können jeder Person mit den verwendeten Techniken und Hilfsmitteln realistisch einschätzen.
  • Konkrete Sicherheitsmaßnahmen planen, von der Kontrolle der Ausrüstung bis zu vereinbarten Signalen zum Aufhören.
  • Auf Notfälle vorbereitet sein: wissen, was zu tun wäre, und das passende Material griffbereit haben.
  • Während der ganzen Session aufmerksam bleiben, denn die Bedingungen können sich ändern, sobald das Spiel beginnt.

So fängst du an

  1. Schreib die geplanten Aktivitäten auf und notiere zu jeder die naheliegendsten Wege, wie sie Schaden anrichten könnte.

  2. Bewerte jedes Risiko grob als unwahrscheinlich oder wahrscheinlich und als leicht oder ernst, um zu sehen, welche die meiste Aufmerksamkeit brauchen.

  3. Beginne mit risikoärmeren Aktivitäten, während du dir angewöhnst, vor dem Spiel eine Einschätzung vorzunehmen.

  4. Leg vor Beginn der Session Sicherheitsausrüstung bereit, etwa eine Sicherheitsschere, einen Verbandskasten und Wasser.

  5. Vereinbart einen Notfallplan, auch dazu, wie ihr die Session schnell beenden würdet und wann ihr Hilfe ruft.

Weiterentwickeln

  • Nutze eine einfache Risikomatrix, um Wahrscheinlichkeit und Schwere bei komplexeren Sessions zu vergleichen.
  • Plant Sessions mit mehreren Personen besonders sorgfältig, denn dort können Rollen wie eine Person, die nur aufpasst (Spotter), nötig sein.
  • Mach eine weiterführende Erste-Hilfe-Ausbildung, die zu den Aktivitäten passt, die du ausübst.
  • Bezieh psychische Risiken in deine Planung ein, etwa wie du dein Gegenüber bei einer unerwarteten emotionalen Reaktion unterstützt.
  • Mach nach Sessions kurze Notizen dazu, was gut lief und was beinahe schiefgegangen wäre, und aktualisiere damit deine Pläne.

Sicherheit

  • Behandle die Risikoeinschätzung als Schritt, den du nie auslässt, auch nicht bei Aktivitäten, die du schon oft gemacht hast.
  • Sei ehrlich, was das Können angeht, und wähle Aktivitäten, die zu den Fähigkeiten der am wenigsten erfahrenen Person passen.
  • Schätze neu ein, sobald sich etwas ändert, etwa durch neue Medikamente, eine Verletzung, Müdigkeit oder einen anderen Ort.
  • Wisse vorab, welche Anzeichen bedeuten, dass die Session enden sollte, und wann medizinische Hilfe von außen nötig ist.
  • Lernt ohne Schuldzuweisungen aus Zwischenfällen und Beinahe-Unfällen, damit die Erkenntnisse eure künftige Praxis wirklich verändern.

Einvernehmen

  • Teile deine Risikoeinschätzung mit deinen Partner*innen, denn informiertes Einvernehmen setzt voraus, die Risiken zu kennen.
  • Sprecht offen darüber, wie viel Risiko jede Person tragen möchte, und richtet eure Planung nach dem Wohlbefinden der vorsichtigsten Person.
  • Macht es allen leicht, eine Aktivität abzulehnen, nachdem sie die Risiken gehört haben, ohne Druck, es sich noch einmal zu überlegen.
  • Holt die Zustimmung neu ein, wenn sich Risiken ändern, etwa durch neue Ausrüstung oder eine längere Session.

Warnhinweise

  • Unbekannte Risiken sind die gefährlichsten. Informiere dich daher über jede Aktivität, die du nicht vollständig verstehst.
  • Selbstüberschätzung ist eine häufige Unfallursache, besonders wenn sich eine Aktivität nach Routine anzufühlen beginnt.
  • Müdigkeit, Krankheit und Stress erhöhen das Risiko und sind gute Gründe, eine Session abzuschwächen oder zu verschieben.
  • Alkohol und andere Substanzen beeinträchtigen das Urteilsvermögen und die Fähigkeit, Warnzeichen zu bemerken. Verzichte deshalb vor und während des Spiels darauf.
  • Manche Aktivitäten, etwa das Einschränken der Atmung, haben keine zuverlässig sichere Variante, und keine Risikoeinschätzung kann sie sicher machen.

Gut zu wissen

  • Die Risikoeinschätzung ist die praktische Grundlage des Konzepts Risk-Aware Consensual Kink (RACK).
  • Menschen tolerieren unterschiedlich viel Risiko, und eine gute Einschätzung respektiert diese Unterschiede.
  • Mit Übung geht es schneller, und bei vertrauten Sessions dauert es oft nur wenige Minuten.
  • Wissen aus der Community, etwa aus Kursen und von erfahrenen Mentor*innen, kann Risiken aufzeigen, die man allein leicht übersieht.

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