Diese Seite dient der allgemeinen Aufklärung. Sie ersetzt keine Beratung durch Ärzt*innen, Therapeut*innen, Beratungsstellen oder Anwält*innen, die deine Situation kennen.
Grundwissen zu STI
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) sind häufig. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sich weltweit täglich mehr als eine Million Menschen mit einer heilbaren STI anstecken, und die meisten dieser Infektionen verursachen keine Beschwerden. Eine STI sagt nichts über deinen Wert aus. Sie ist eine Gesundheitsfrage, und die meisten lassen sich gut testen und behandeln.
Bakteriell und heilbar
Chlamydien, Gonorrhö (Tripper) und Syphilis werden mit Antibiotika behandelt. Auch Trichomoniasis, die von einem Parasiten ausgelöst wird, ist heilbar. Unbehandelt können manche Schmerzen, Unfruchtbarkeit oder ernste Langzeitschäden verursachen.
Viral und behandelbar
HIV, Hepatitis B, Herpes und HPV werden von Viren verursacht. Medikamente halten HIV, Herpes und Hepatitis B sehr gut in Schach, entfernen sie aber nicht. Die meisten HPV-Infektionen heilen von selbst aus.
Über Blut
HIV, Hepatitis B und Hepatitis C können über Blut übertragen werden. Das betrifft Blade Play, Nadeln, Play Piercing und Impact Play, bei dem die Haut aufplatzt.
Über Haut und andere Kontakte
Herpes, HPV, Syphilis und Mpox werden auch über Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Kondome senken das Risiko, schließen es aber nicht aus. Hepatitis A wird über Spuren von Kot übertragen, zum Beispiel beim Rimming, Fisting oder bei Kaviarspielen.
STI werden vor allem beim Vaginal-, Anal- und Oralverkehr übertragen, außerdem über gemeinsam benutzte Toys, Finger und Hände und über Kontakt mit Blut. Infektionen können ohne Beschwerden im Rachen oder im Enddarm sitzen. Deshalb ist es wichtig, wo getestet wird.
Keine Beschwerden heißt nicht keine Infektion
Viele STI bleiben wochen- oder jahrelang unbemerkt. Nur ein Test zeigt dir deinen Status. Ungewöhnlicher Ausfluss, wunde Stellen, Juckreiz, Brennen beim Pinkeln oder Blutungen nach dem Sex sind Gründe, bald zu Ärzt*innen zu gehen.
Tests
Wie oft
- Zu Beginn einer neuen Beziehung, bevor ihr miteinander auf Barrieren verzichtet.
- Mindestens einmal im Jahr, wenn du mehrere Partner*innen hast.
- Alle drei bis sechs Monate, wenn du viele Partner*innen hast, PrEP nimmst oder in Gruppen spielst.
- Immer bei Beschwerden, nachdem ein Kondom gerissen oder abgerutscht ist oder wenn dir jemand eine STI mitteilt.
Wonach du fragen kannst
- HIV, Syphilis, Chlamydien und Gonorrhö als Grundpaket.
- Abstriche aus Rachen und Enddarm, wenn du Oral- oder Analverkehr hast, denn ein Urintest erfasst nur die Genitalien.
- Hepatitis C, wenn du Blood Play machst, Nadeln teilst oder Substanzen schnupfst, und Hepatitis B, wenn du nicht geimpft bist.
- Sag, was du tatsächlich machst. Das Personal in Teststellen hat schon alles gehört, und ein klares Bild bringt dir die richtigen Tests.
Gesundheitsamt
Viele Gesundheitsämter in Deutschland bieten anonyme HIV- und STI-Tests mit Beratung an, oft kostenlos oder günstig.
Aids-Hilfen
Örtliche Aidshilfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beraten und bieten in vielen Städten anonyme Tests an.
Checkpoints
In mehreren deutschen und Schweizer Städten gibt es Checkpoints, community-nahe Teststellen. Sie werden besonders von queeren Menschen genutzt, stehen aber vielen offen.
Ärzt*innen und Ambulanzen
Hausärzt*innen, Gynäkolog*innen, Urolog*innen, Praxen für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder HIV-Schwerpunktpraxen können dich testen. Bei Beschwerden oder einem konkreten Risiko zahlt meist die Krankenkasse.
Manche Infektionen zeigen sich erst nach einiger Zeit im Test. Ein HIV-Labortest kann eine Infektion sechs Wochen nach einem Risiko sicher ausschließen, ein Schnell- oder Selbsttest nach zwölf Wochen. Wenn du kurz nach einem Risiko getestet wurdest, sagt dir die Teststelle, wann du wiederholen solltest. Ein positiver Schnell- oder Selbsttest muss immer im Labor bestätigt werden.
Barrieren und Toys
Barrieren, die wirken
- Kondome für Penisse und Toys, von Anfang bis Ende und in der passenden Größe.
- Femidome (innere Kondome) für Vagina oder Anus, die sich schon vor dem Spiel einsetzen lassen.
- Lecktücher (Dental Dams) oder ein aufgeschnittenes Kondom für Oralverkehr an Vulva oder Anus.
- Nitril- oder Latexhandschuhe für Fingern, Fisting und jeden Kontakt mit Blut oder verletzter Haut.
- Reichlich Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis. Öl greift Latexkondome an.
Toys
- Wähle nicht poröse Materialien wie medizinisches Silikon, Glas oder Edelstahl: Sie lassen sich gründlich reinigen.
- Reinige Toys nach jeder Benutzung so, wie es der Hersteller empfiehlt. Poröse Toys (Jelly, Gummi, manches TPE) werden nie ganz sauber, also zieh ein Kondom darüber.
- Nimm ein frisches Kondom, wenn ein Toy zu einer anderen Person wechselt und wenn es vom Anus in die Vagina wechselt.
- Behalte ein Toy, das mit Blut in Kontakt war, für eine einzige Person, oder nimm jedes Mal ein neues Kondom.
Barrieren senken das Risiko deutlich, decken aber nicht alles ab: Infektionen, die über die Haut übertragen werden, etwa Herpes, HPV und Syphilis, können dort übergehen, wo die Barriere nicht hinreicht. Auch deshalb ergänzen Impfungen und regelmäßige Tests den Schutz.
HIV-Schutz: PrEP, PEP und n=n
PrEP: vorher
Die Prä-Expositions-Prophylaxe ist ein HIV-Medikament, das HIV-negative Menschen nehmen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Richtig eingenommen wirkt sie sehr zuverlässig. Sie braucht ein Rezept, einen HIV-Test vor dem Start und regelmäßige Tests auf HIV, andere STI und die Nierenwerte, meist alle drei Monate. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die PrEP für Menschen mit erhöhtem Risiko. Vor anderen STI schützt die PrEP nicht.
PEP: danach
Die Post-Expositions-Prophylaxe ist eine Notfallbehandlung nach einem möglichen HIV-Kontakt, etwa wenn ein Kondom mit einer Person mit unbekanntem Status gerissen ist oder nach einer Stichverletzung. Sie wird etwa vier Wochen lang eingenommen und wirkt umso besser, je früher sie beginnt.
n=n: nicht nachweisbar = nicht übertragbar
Menschen mit HIV, bei denen die Therapie das Virus unter der Nachweisgrenze hält, in der Regel bestätigt über mindestens sechs Monate, geben HIV beim Sex nicht weiter. Das gehört zu den klarsten Ergebnissen der HIV-Forschung und wird von der WHO und nationalen Gesundheitsbehörden bestätigt.
PEP ist dringend: jetzt, nicht morgen
Beginne die PEP so früh wie möglich, am besten innerhalb weniger Stunden. Das österreichische Gesundheitsportal und viele internationale Stellen nennen 72 Stunden als spätesten Zeitpunkt, die Aids-Hilfe Schweiz 48 Stunden. Geh sofort in eine Notaufnahme oder eine HIV-Schwerpunktpraxis bzw. HIV-Ambulanz und sag, dass du eine PEP brauchst. Wenn du unsicher bist, ob deine Situation zählt, frag dort nach: Das Team schätzt es mit dir ein.
n=n gilt für Sex. Bei Kontakt mit Blut senkt eine wirksame Therapie das Risiko ebenfalls stark, das ist aber weniger gut untersucht. Sprich mit Ärzt*innen, wenn Blood Play zu eurer Beziehung gehört.
Impfungen
Impfungen schützen vor manchen Infektionen dort, wo Barrieren an ihre Grenzen kommen. Lass deinen Impfpass von deiner Hausarztpraxis prüfen und frag, ob die folgenden Impfungen für dich sinnvoll sind. Empfehlungen und Kostenübernahme hängen von Land, Alter und Lebenssituation ab.
- HPV: schützt vor den Virustypen, die hinter den meisten HPV-bedingten Krebserkrankungen stehen (Gebärmutterhals, Anus, Rachen und andere), und vor Feigwarzen. Für Jugendliche ist sie Standard; Erwachsene können fragen, ob sie für sie noch sinnvoll ist.
- Hepatitis B: wird über Blut und Sex übertragen und ist deshalb besonders bei Blood Play, Piercing und mehreren Partner*innen wichtig.
- Hepatitis A: wird über Spuren von Kot übertragen und ist beim Rimming, Fisting und bei Kaviarspielen relevant.
- Mpox: wird in manchen Ländern für Menschen mit erhöhtem Risiko empfohlen, zum Beispiel für Männer, die Sex mit Männern und wechselnde Partner haben.
Verhütung: das Wichtigste
Wenn eine Person schwanger werden kann und die andere Spermien bildet, gehört Verhütung genauso ins Vorgespräch wie Safewords. Nur Kondome schützen sowohl vor einer Schwangerschaft als auch vor vielen STI, darum kombinieren viele ein Kondom mit einer anderen Methode.
Gängige Methoden
- Barrieremethoden: Kondome, Femidome, Diaphragma.
- Hormonelle Methoden: Pille, Pflaster, Vaginalring, Dreimonatsspritze, Implantat, Hormonspirale.
- Kupferspirale oder Kupferkette, ohne Hormone.
- Natürliche Familienplanung (Zyklusbeobachtung), die Einarbeitung und viel Disziplin braucht.
- Sterilisation, die als dauerhaft gedacht ist.
Notfallverhütung
Die Pille danach bekommst du in Deutschland, Österreich und der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke, meist nach einem kurzen Beratungsgespräch. Levonorgestrel wird innerhalb von 72 Stunden eingenommen, Ulipristalacetat innerhalb von 120 Stunden, und beide wirken besser, je früher du sie nimmst. Am zuverlässigsten ist eine Kupferspirale, die innerhalb von fünf Tagen eingesetzt wird. Vor STI schützt Notfallverhütung nicht.
Blut und Körperflüssigkeiten bei Impact und Blade Play
Rohrstöcke, Peitschen und manche Flogger können die Haut aufreißen, manchmal ohne dass es jemand gleich bemerkt. Bei Blade Play, Nadeln und Play Piercing fließt absichtlich Blut. Behandle jeden Tropfen Blut als möglicherweise infektiös, egal, was jemand über den eigenen Status sagt.
- Trag Handschuhe, sobald Blut oder verletzte Haut im Spiel sein könnten, und wechsle sie zwischen Personen.
- Benutze sterile Einmalnadeln und Einmalklingen und entsorge sie in einem durchstichsicheren Abwurfbehälter.
- Behalte Schlagwerkzeuge, die mit Blut in Kontakt waren, für eine einzige Person. Leder, Holz und Seil lassen sich nicht zuverlässig desinfizieren.
- Reinige und desinfiziere nicht poröse Werkzeuge und Flächen nach Herstellerangaben.
- Deck frische Wunden ab, halte sie sauber und achte auf Entzündungszeichen wie sich ausbreitende Rötung, Wärme, Eiter oder Fieber.
- Lass dich gegen Hepatitis B impfen und nimm Hepatitis C in deine regelmäßigen Tests auf.
Mit Partner*innen über den Status sprechen
Über Tests und Status zu reden, gehört zum Vorgespräch und ist kein Vorwurf. Am besten klappt es, wenn es Routine ist: vor dem Spiel, nüchtern und mit denselben Fragen für alle.
Fragen, die helfen
- Wann hast du dich zuletzt testen lassen, und worauf?
- Nimmst du PrEP, oder bist du in HIV-Therapie mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze?
- Welche Barrieren benutzen wir wofür, und gibt es etwas, das du nie ohne machst?
- Teilen wir Toys oder Schlagwerkzeuge, und wie reinigen wir sie?
- Was machen wir, wenn ein Kondom reißt oder unerwartet Blut fließt?
Wenn du ein positives Ergebnis bekommst, helfen viele Teststellen dabei, Partner*innen zu informieren. Mit HIV, Herpes oder einer anderen Infektion zu leben, beendet weder dein Sexleben noch dein Kink-Leben. Mit Behandlung, Offenheit und guter Praxis schränkt es selten ein, was möglich ist.
Quellen und weiterführende Links
Wir verlinken unabhängige Gesundheitsbehörden, Beratungsstellen und amtliche Gesetzestexte. Sie sind nicht für unsere Inhalte verantwortlich.