Was du sagen kannst
Ich möchte schon eine Weile etwas mit dir besprechen, und es fühlt sich für mich ein bisschen verletzlich an, das anzusprechen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Pornos. Aber in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass sie den Platz von Nähe zwischen uns einnehmen. Ich fühle mich weniger verbunden mit dir und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen unzulänglich.
Ich will dich nicht kontrollieren. Ich möchte nur verstehen, was bei dir los ist, und mit dir ein Gleichgewicht finden, das sich für uns beide gut anfühlt. Können wir darüber reden, was dir Pornos geben und wovon du dir in unserem Sexleben mehr wünschst?
Wie es weitergeht
Geh mit Neugier in das Gespräch, nicht mit Vorwürfen. Hinter Pornokonsum kann Stressabbau stecken, Langeweile, der Wunsch, Leistungsdruck zu vermeiden, oder Fantasien, die jemand sich nicht zu erzählen traut. Wenn du den Grund kennst, habt ihr etwas Konkretes, an dem ihr arbeiten könnt, und dein Gegenüber fühlt sich sicher genug, ehrlich zu sein.
Der Vorliebentest kann ein entspannter Weg sein, zu vergleichen, was euch jeweils gefällt und wovon ihr mehr wollt. Manchmal geht es gar nicht um Pornos, sondern um unausgesprochene Wünsche, unterschiedlich viel Lust oder eine Routine, die eingeschlafen ist.
Wenn dein*e Partner*in weniger schauen möchte, es aber nicht schafft, oder sich dafür schämt und die Kontrolle verloren hat, kann eine Therapie bei jemandem helfen, der sich mit sexueller Gesundheit oder zwanghaftem Verhalten auskennt. Wenn deine Gefühle komplett abgetan werden und sich nichts ändert, obwohl du klar darum gebeten hast, darfst du dich fragen, ob deine Bedürfnisse in dieser Beziehung erfüllt werden können.
Sicherheit zuerst
Bedenklicher wird Pornokonsum, wenn er mit Heimlichkeit und Lügen einhergeht, wenn dafür Geld ausgegeben wird, das ihr nicht habt, wenn du unter Druck gesetzt wirst, Dinge zu tun, die du nicht willst, oder wenn dein Körper auf verletzende Weise mit Darsteller*innen verglichen wird. Gedrängt zu werden, Pornos zu schauen oder Szenen nachzustellen, mit denen du dich nicht wohlfühlst, ist sexueller Druck. Du schuldest niemandem ein Ja.
Wenn du jemals Inhalte mit Minderjährigen siehst oder mit Menschen, die eindeutig nicht eingewilligt haben, ist das illegal und schädlich und sollte den zuständigen Behörden gemeldet werden. Eine Beratungsstelle oder Therapie kann dir helfen, die nächsten Schritte zu durchdenken, und die Hilfetelefone aus unserer Übersicht „Hilfetelefone“ sind für dich da, wenn du Unterstützung brauchst. Wenn jemand in akuter Gefahr ist, ruf den Notruf 112.
Tipps
Such dir für das Gespräch einen ruhigen, ungestörten Moment aus, nicht direkt nachdem du etwas entdeckt hast oder zurückgewiesen wurdest. Sprich über deine Gefühle und die Nähe, die dir fehlt, statt aufzuzählen, was du gesehen hast.
Lade dein Gegenüber ein, Fantasien zu teilen, die bisher unausgesprochen geblieben sind, und versprecht euch, nicht zu urteilen. Vielleicht staunst du, wie viel neuer Gesprächsstoff sich dabei ergibt.
Wenn ihr beide ein paar Wochen Pornopause ausprobieren wollt, seht es als gemeinsames Experiment und nicht als Strafe. Plant Zeit für Nähe ein, bei der es nicht um Leistung geht, zum Beispiel Knutschen, Massagen oder einfach Kuscheln.
Damit es nicht wieder passiert
Ein gutes Gespräch hilft heute. Ein gemeinsames Werkzeug hilft euch, nächsten Monat nicht wieder am selben Punkt zu stehen.
Der Vorliebentest zeigt, was ihr jeweils liebt, neugierig macht oder nicht wollt. So könnt ihr vergleichen, ohne zu raten.
Zum VorliebentestSchlagwörter
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